Reich sein ist angenehm und arm sein zermürbend. Deshalb würde ein im Luxus lebender Unternehmer nie mit einem wohnungslosen Gig-Worker den sozialen Status tauschen. Der gesamte Reiz Aziz Ansaris komödiantischen Kino-Debüts liegt darin, dass es dies zugibt. Jedenfalls für die ersten zwei Drittel des pietistischen Plots. Der mixt christliche Comedy mit manipulativer Matrialismus-Kritik, die das kapitalistische Konstrukt des glücklichen Prekariats nur ankratzt, um es noch fester zu zementieren. Dieser verkappte Konformismus manifestiert sich früh durch die narrative Negation rassistischer und klassistischer Diskriminierung. Dergleichen existiert offenbar nicht in der beruflichen Bubble des Teilzeitarbeiters Arj, der die Hoffnung auf finanzielles Auskommen langsam aufgibt.
Das zu verhindern ist die selbstbestimmte Aufgabe des Engels Gabriel (Keanu Reeves), der Frank Capras It’s a Wonderful Life wohl zu oft gesehen hat. Um Arj zu überzeugen, das Reichtum nicht glücklich mache, lässt er ihn mit dem millionenschweren Firmenbesitzer Jeff (Seth Rogen) vorübergehend tauschen. Zu Gabriels Dilemma genießt Arj seine neuen Privilegien während Gabriel und Jeff sich plötzlich beide in der Gig-Industrie durchschlagen müssen. Der Freude an den kleinen Dingen wie Tacos und Tanzen tut dies lauter lebensfernen Devise keinen Abbruch. Selbst Reeves amüsanter Auftritt als Engel für Arme (in doppelter Hinsicht) kann diese republikanische Rezessions-Romantisierung nicht ausgleichen.
Zwischen unterbezahlten Jobs zu pendeln, mangels Miet-Budget im Auto zu schlafen und in der Restzeit für faule Firmenbesitzer als TaskRabbit die unliebsame Arbeit zu machen ist doch viel schöner als sich im Pool des eigenen Luxusanwesens zu chillen! So predigt es jedenfalls Aziz Ansaris Mix aus Buddy-Movie und Body-Switch-Comedy. Dessen anfängliche Revision des abgegriffenen Narrativs von mittelloser Lebensfreude und allseitiger Hilfsbereitschaft dient bloß als kalkulierter Köder einer an Capras frömmelnden Feiertagsklassiker It’s a Wonderful Life angelehnten Story. Dass die nicht die himmlischen Helfer für sozialdarwinistische Strukturen verantwortlich macht, sondern die Betroffenen, versauert selbst den bescheidenen Spaß an dem gut aufgelegten Cast.
- OT: Good Fortune
- Director: Aziz Ansari
- Year: 2025