„Gehen wir“ lautet übersetzt der Originaltitel Enya Barouxs redundanten Regie-Debüts, das genau solch einen Konsens im Publikum provoziert. Die generische Geschichte einer zerstrittenen Familie, die sich auf einer langen Fahrt im Camper zusammenrauft, wirkt wie ein französisches Worst-of von Bucket List und Little Miss Sunshine. Nur ist Initiatorin der dramaturgisch und diegetisch gleichermaßen holprigen Fahrt kein keines Mädchen, sondern eine alte Dame. Konfrontiert mit einer fatalen Krebsdiagnose, will Marie (Hélène Vincent) sich den langen Leidensweg ersparen und begibt sich stattdessen auf einen vergleichsweise kurzen.
Selbiger führt mit ihrem schmierigen Sohn Bruno (David Ayala) und ihrer 15-jährigen Enkelin Anna (Juliette Gasquet) in einem klapperigen Camper in die Schweiz. Dass Sterbehilfe auch dort nicht einfach zu erhalten ist, wie es die oberflächliche Story glauben macht, ist noch eine kleine Logiklücke der fabulierten Familien-Mär. Die holt Maries creepy Krankenpfleger Rudy (Pierre Lottin), der sich heimlich in die Wohnungen seiner Patienten einquartiert, mit auf die Tour. Von deren Ziel ahnt Maries Familie nichts; anders das Publikum, das genau weiß, wohin der vorhersehbare Handlungsweg geht.
Derivative Dramaturgie, schale Stereotypen und sentimentale Klischees lenken Enya Baroux‘ schematische Sterbe-Story. Deren strukturelle und stilistische Mängel kann selbst die starke schauspielerische Präsenz der exzellenten Hélène Vincent nicht ausgleichen. Sich aufdrängende Themen wie Selbstbestimmung im Alter, physische Autonomie sowie das Recht auf ein würdevolles Leben(sende) werden nur oberflächlich angerissen, finanzielle Hürden komplett übergangen. Lottin spult mechanisch seinen Repertoire-Proleten-Part herunter. Ayala und Gasquet plagen sich mit ihren kruden Charakteren. Tierquälerei, Übergriffigkeit und Körperfunktionen umgrenzen den kruden Humor der öden Reise auf verstaubten Wegen.
- OT: On ira
- Director: Enya Baroux
- Year: 2025