Sterben, Selbstbetrug und Stillstand halten den jungen Hauptcharakter Saša Vajdas introvertierten Dramas ebenso fest umschlungen, wie dessen Handlung, letzter so sehr, dass diese nahezu selbst zum Erliegen kommt. Der 16-jährige Ilay (Mohammed Yassin Ben Majdouba), dessen Mutter Maria (Mahira Hakberdieva) in beider Wohnung in einem der tristen Berliner Randbezirke langsam dahinsiecht, und der observative Plot befinden sich in einer endlosen Ellipse. Strafersetzende Sozialstunden, nächtliche Spaziergänge und gelegentliche Unternehmungen mit seiner Clique formen eine dumpfe Routine, in der Ilay Zuflucht vor dem Unvermeidlichen sucht.
Einzige andere menschliche Präsenz in diesem lethargischen Limbo ist die mexikanische Palliativpflegerin Ana (dargestellt von der tatsächlichen Palliativpflegekraft Flor Prieto Catemaxca). Sie umsorgt Maria mit einer Gewissenhaftigkeit und Fürsorge in subtilem Kontrast zur Distanzierung Marias Sohnes, dessen schleichender Selbstverlust nur Ana auffällt. Tom Ottes Kamera beobachtet die sicheren Handgriffe und sanften Gesten, mit denen Ana ihrer Patientin den Übergang in den Tod zu erleichtern versucht. Der fast dokumentarisch anmutende Realismus dieser Momente bildet einen sachlichen Gegenpol zu den subjektiven Nachtaufnahmen während Illays Streifzügen.
Jene sind zugleich Sinnsuche und Flucht vor sich selbst und einer Wirklichkeit, die er nicht bereit ist zu akzeptieren. Ob ihm die Worte und Taten fehlen, seine Gefühle auszudrücken, oder der Regisseur sein selbst verfasstes Drehbuch in eine Sackgasse geschrieben hat, bleibt vage. Was in dem verschlossenen Hauptcharakter vorgeht, kann letztlich auch das Publikum nicht ergründen. Ähnliche Szenen wiederholen sich in leichter Variation, bis sich auch vor der Leinwand mentale Erschöpfung einstellt. Sparsame Dialoge legen das erzählerische Gewicht nahezu gänzlich auf seine Handlungen, die indes wenig verraten.
Ob seelischer Schmerz von außen wie emotionale Apathie wirkt, oder umgekehrt, ist eine der unaufgelösten Fragen Saša Vajdas Solo-Spielfilm-Debüts, das in der Sektion Generation der 76. Berlinale Premiere feierte. Sensibilität versinkt schließlich in der erdrückenden Stagnation, die narrative und psychologiche Entwicklungen lähmt. Als verantwortungsvolle Fürsorgerin im Hintergrund ist Pflegerin Ana die interessantere Figur, der weder dramaturgisch noch dramatisch die verdiente Aufmerksamkeit zukommt. Die Parallelen zwischen physischen und psychischen Suchtmustern, Verhaltenszwängen und Selbstmedikation bleiben unscharf. Opake Figurenzeichnung lässt wenig Raum für schauspielerische Akzente, doch kreatives Potenzial ist spürbar.
- OT: The Lights, They Fall
- Director: Saša Vajda
- Year: 2026