So wunderbar wie es der pittoreske Titel Avril Bessons komödiantischen Kino-Debüts verspricht, scheinen die Morgen der pragmatischen Protagonistin zu Beginn keineswegs. Die ungebundene Charlie (India Hair) findet ihre Mutter eines Tages tot im Bett. Auch für sie selbst ist schon ein Platz reserviert im Familiengrab, dem die junge Hauptfigur allerdings vorerst noch fernbleibt. Gestorben wird zwar noch, doch das beeinträchtigt kaum deren beschwingten Tenor der zwischen Scherzhaftigkeit und Schmerzhaftigkeit pendelnden Story über (Lebens)Enden und Neuanfänge.
Letzter ist gewissermaßen eine posthume irdische Initiative der verstorbenen Mutter, die Charlie ihre umfangreiche Sammlung alter Disco-Platten mit dem Namen eines früheren Freundes hinterlässt. Die Suche nach diesem rechtmäßigen Erben führt Charlie zum melancholischen Weinhändler Titou (Éric Cantona), dessen Lebenspartner ebenfalls im Sterben liegt. Über ihn trifft Charlie die ebenso aparte wie anziehende Martina (Raya Martigny), die mehr will als ihren Kellnerinnen-Job in einer Pizzeria. Auch Charlie sehnt sich nach Abwechslung und findet sie in beider queerer Romanze.
Selbige ist geformt und verformt durch den biederen bourgeoisen Blick der in heteronormativen Mustern verfangenen Humoreske. Liebe und Leidenschaft bleiben in dem emotional und optisch gleichermaßen sonnigen Szenen ebenso reine Behauptung wie Trauer und Verlust. Abschied und Aufbruch sind in der angepassten Anekdote nur zwei Seiten einer Medaille. Die Kiste mit alten Vinyls im Kofferraum des Twingos, den Charlie durch die pittoreske Gegend fährt, sind in dieser fadenscheinigen Filmwelt ein dankbares nostalgisches Gimmick: Konventionell und leicht konsumierbar wie der fade Plot.
Optimismus und Opportunismus gehen fließend ineinander über in Avril Bessons tragikomischer Trivialität. Die übernimmt von ihrem 2023 erschienen Kurzfilm Queen Size die queere Romanze und das Darstellerinnen-Duo India Hair und Raya Martigny. Deren Zusammenspiel besitzt weniger erotische Chemie als kreative Harmonie, doch dies passt ironischerweise zur krampfigen Konventionalität eines Werks, das sich perfekt an das Schema der schein-alternativen Sommerkomödie anpasst. Die wehmütigen Referenzen an alte Marken und Musik verklärt den Revisionismus zu Retro-Charme; der idealen sentimentalen Staffage inmitten generischer Gefälligkeit.
- OT: Les Matins Merveilleux
- Director: Antik Besson
- Year: 2026