„Die Kaprizen des alten Michel Leclerc“ wäre ein treffenderer Titel für den konfusen Kostümschinken, den der französische Regisseur nach eigener Aussage bei der Premiere in Cannes als ein im 17. Jahrhundert angelegtes Pendant der Avengers betrachtet. Der megalomanische Vergleich weckt eine Ahnung von der Kombination narzisstischer Verstiegenheit und penetranter Protzigkeit der pseudo-historischen Klamotte. Selbige beschwört vergeblich den Namen eines großen Theater-Autoren und seiner bekanntesten Figuren bei dem ungelenken Versuch, die zeitspezifischen Pointen in gegenwartstaugliche Gags zu übersetzen.
Der fadenscheinige Ansatz einer Modernisierung ist amüsanter als die eigentlichen Witze, scheint doch der reaktionäre Humor Leclercs mäßig erfolgreicher Beziehungskomödie geneigt, das Publikum in eine maximal verklemmte Vergangenheit zu transportieren. Ein historischer Stoff scheint somit nur folgerichtig, doch auch dafür fehlt dem Regisseur und Co-Drehbuchautor jegliches Gespür. Nicht besser verhält es sich mit den biografischen und Bühnenstück-Elementen, die den Mantel-und-Degen-Plot um gefährliche Intrigen im Königshaus aufbessern sollen. Die biedere Burleske belebt nicht mal ein halbes Dutzend prominenter Charaktere.
Deren relevanteste sind Cyrano de Bergerac (Artus), der zukünftige König Louis XIV (Niels Hameln-Brochen), den er auf einer aberwitzigen Inkognito-Mission beschützen soll, ein betagter D‘Artagnan (Franck Dubosc), Molière (Nemo Schiffman) sowie dessen Zukünftige Madeleine Béjart (Julia Piaton) und die Königin (Doria Tillier). Slapstick-Kämpfe und krampfige Sex-Witzchen lassen die karnevaleske Typen-Parade noch veralteter wirken als die generische Story. Deren infantile Inszenierung bagatellisiert den latenten Klassismus des seichten Plots so beiläufig, wie sie ihre historischen Figuren glattbügelt.
„Eine wahre Geschichte – abgesehen von den historischen Teilen“ verspricht ein einleitender Text. Der beginnt die abgedroschenen Pointen Michel Leclercs kakophoner Komposition aus Literaturverfilmung, Abenteuerromanze und Historienstück und Verwechslungskomödie. Zahlreiche Genres und bekannte Personen steigern weder Tempo noch Dramatik der ermüdend einfallslosen Burleske. Deren Ensemble, teils todernst, teils grell überzeichnet, zeigt kaum darstellerische Chemie. Molières problematische Sexualität wird komplett ausgeblendet und Kämpfe verlaufen buchstäblich blutleer in den theaterhaften Kulissen. Mutlos, blasiert und hinter der modernistischen Maske ermüdend verstaubt.
- OT: Les Caprices de l’Enfant Roi
- Director: Michel Leclerc
- Year: 2026