Seine Überhöhung weltvergessener Wanderungen durch malerische Landschaften, die Schwelgerei in pittoreskem Pathos und die Verklärung exaltierter Egozentrik zu profunder Selbsterkundung machen Sarah Leonors dekorativen Triptychon zur ironischen Illustration des faden Titels. So phrasenhaft und trivial wie dieses „bis dahin“ oder „inzwischen“ ist auch das novelleske Trio lose miteinander verwobener Geschichten. Sie alle suggerieren das Thematisieren einer universellen Erkenntnis über die sinnsuchende Seele und die Beziehung des Menschen zur Natur und zeigen doch nur Kaprizen bourgeoiser Befindlichkeiten.
Deren altersübergreifende Ausführungen verkörpern der ergraute Lucien (Frank Beauvais), die Endvierzigjährige Aline (Dinara Drukarova) und die junge Jade (Louiza Aura). Frank macht auf Thoreau und baut sich im Wald aus Zweigen und Ästen in wenigen Stunden eine mit Lagerfeuer beheizte Unterkunft auf dem Niveau einer insta-tauglichen Eco Lodge. Aline channelt ihre innere Nicolette Krebitz auf der Spur eines Wolfs. Jade entwickelt bei ihrer Identitätsfindung ein feindschaftliches Verhältnis zu Tieren, das Disneys Schneewittchen neidisch machen würde.
Die sozialen Privilegien, die den drei psychologischen Projektionsflächen diese selbstbezogenen Spleens ermöglichen – materielle Sicherheit, berufliche Unabhängigkeit, administrative Anerkennung, physische Fitness – bleiben als vermeintliche Selbstverständlichkeiten ausgeblendet. Das Gleiche gilt für die sozialpsychologischen Grundlagen ihrer kontemplativen Touren durch die malerische Wildnis des Vogesen. Was bei Menschen aus der Unterschicht, die ohnehin nicht die Ressourcen für derlei naturverbundenen Narzissmus haben, verdächtiges Herumstreunen wäre, wird für das Bildungsbürgertum zum Mittel und Ausdruck charismatischer Charaktertiefe. Pastorale Postkarten-Ästhetik umrahmt die spießbürgerliche Sublimierung.
Über sich ins Endlose erstreckenden 105 Minuten entfaltet Sarah Leonor einen intellektualistischen Travelogue, der dramaturgisch und konzeptionell so ziellos bleibt wie die gedankenversunkenen Touren des Protagonisten-Trios. Dessen eklektische Erlebnisse werden zu der majestätischen Landschaft ebenbürtigen Erfahrungen aufgebauscht. Beeindruckende Naturbilder stehen in manieriertem Kontrast zu der Banalität der zwischenmenschlichen Entwicklungen, denen die engagierten Darstellungen nur bedingt Profil verleihen können. Unbeabsichtigt verrät die akademistische Apotheose privilegierter Neurosen mehr über die kunsthandwerklichen Methoden und formalen Muster distinguierter
- OT: D’ici là
- Director: Sarah Leonor
- Year: 2026