„Sie ist eine Psychopathin.“, warnt eine befreundete Kollegin Sandrine Kiberlain vor der kalkulierenden Titelfigur Marc Fitoussis süffisanten Star-Vehikels. Das statuiert in gezielt platzierten Anspielungen auf Klassiker des Kinos, in dem Isabelle Hupperts alternde Nebendarstellerin Corinne Maclou nach spätem Ruhm strebt, seine eigenen artistischen Ambitionen. Die wirken indes ähnlich verstiegen wie die hartnäckigen Aufstiegsversuche der Protagonistin, die weit weniger diskret vorgeht als es der französische Originaltitel impliziert. Als die mit kleinen Parts in Theaterstücken und TV-Serien abgespeiste Corinne am Set Sandrine Kiberlain trifft, sieht sie ihre Chance endlich gekommen.
In der Hoffnung, die prominenten Darstellerin, die mit Selbstironie ein fiktives Alter Ego verkörpert, könne für sie ihre Kontakte spielen lassen, hängt sich Corinne an Sandrine und drängt ihr ihren Lebenslauf auf. Das auf zusammengehefteten Papierseiten verfasste Bewerbungsdokument verteilt sie noch öfter im Laufe der fast zweistündigen Handlung. Ähnlich der anstrengenden Hauptfigur ist die aufdringlich, realitätsentrückt, egomanisch und bleibt länger als erwünscht. Jedenfalls aus Sicht der Clique Sandrines, die in Corinne etwas findet. Bodenhaftung, Rührung und seltenes Talent, laut eines der umständlichen Erklär-Dialoge.
Ungelenke dialogische Exposition soll aufzeigen, was die konventionelle Inszenierung nicht vermitteln kann. Agenten und Regisseur*innen finden Sandrine zu abgehoben und arriviert für naturalistische Parts. Corinne soll als lebendes Gegenbeispiel dienen und ihr zugleich alltägliches Verhalten vorleben. Ungeachtet des materiellen Komforts und bizarren Opportunismus der übergriffigen Protagonistin, die ihrerseits immer mehr Starallüren zeigt. Die unverkennbar von Joseph L. Mankiewicz referenziertem Klassiker übernommene Prämisse bietet reichlich Potenzial für Meta-Satire, Thriller, Milieustudie und Freundschaftsdrama, doch der fade Plot belässt es bei Andeutungen. Keine davon erfüllt die ernüchternd mutlose Komödie.
Auf Isabelle Huppert und Sandrine Kiberlain ist schauspielerisch stets verlass. So auch in Marc Fitoussis bieder-bravem Schwank. Der begeht all die Fehler, die verschiedenen Figuren vorgehalten werden. Er schmeichelt beständig dem prominenten Ensemble, imitiert populäre Leinwandklassiker, statt etwas Eigenes zu kreieren, und überschätzt seine Qualitäten. Wäre Corinne nur eine Psychopathin, käme zumindest Spannung auf. Doch die unausgegorene Story ergründet nie die Natur ihres dreisten Opportunismus. Die austauschbare Optik und gefällige Musik sind ein hölzernes Podium für das gewitzte Schauspiel und ein paar passable Pointen.
- OT: Ni vue, ni connue
- Director: Marc Fitoussi
- Year: 2026