Man nehme die makabere Ästhetik der Fantasy-Welten Jean-Pierre Jeunets und Marc Caros, einen motivischen Mix aus Imaginary, Five Nights at Freddy’s und Death of a Unicorn sowie ein paar Plot-Anleihen von Leon – Der Profi, und gibt dem Auftragskiller-Protagonisten etwas von einem väterlichen Hannibal Lecter, den Mads Mikkelsen für Bryan Fuller in der gleichnamigen TV-Serie verkörperte. Dabei heraus kommt das Spielfilm-Debüt des bewehrten Serien-Regisseurs und -Drehbuchautors, der einmal mehr tut, was ihm bisher am besten gelang: bekannte Vorlagen adaptieren und variieren.
Hinter der märchenhaften Maske überquellender Kreativität verbirgt sich das Gegenteil. Von der Prämisse eines Waisenmädchens, dass sich professionelle mörderische Unterstützung im Kampf gegen eine monströse Bedrohung holt, bis zur Schlussszene, die fast deckungsgleich der aus Death of a Unicorn entspricht, ist Dust Bunny eines der derivativsten Werke seit langem. Fast jede Szene und Figur hat man so oder auffällig ähnlich bereits in einem anderen Film gesehen, mal besser, mal schlechter. Dass die Mischung aus Fantasy-Familienfilm und Crime Comedy trotzdem funktioniert, verdankt sie dem exzellenten Cast.
Besonders besticht die darstellerische Chemie zwischen Mikkelsen und Hauptdarstellerin Sophie Sloan. Überzeugt, dass ein Monster unter Bett ihr neues Paar Adoptiveltern gefressen hat – wie ihre leiblichen Eltern und vorherigen Adoptiveltern – engagiert die 8-Jährige ihren ominösen Nachbarn im Apartment 5B (Mikkelsen). Dessen Managerin Laverne (Sigourney Weaver) missbilligt die kindliche Zeugin, die 5Bs mörderisches Metier für mythische Heldentaten hält. Unterdessen manifestiert sich die gefährliche Macht kindlicher Phantasie. Jene buchstäbliche Dämonisierung von Imagination scheint ironisch passend für ein Werk, dem echte Einfallskraft spürbar mangelt.
Fazit:
Karnevaleske Kulissen, märchenhafte Kostüme und surreale Szenenbilder sorgen für mehr Abwechslung als der schlichte Plot. Dessen Wendungen ergeben oft wenig Sinn, scheinen willkürlich oder formiert. Selbst das dynamische Schauspiel kaschiert kaum, dass die Charaktere bloß Prototypen sind. So ist Aurora lediglich lebensferne Kopie der Erwachsene-Männer-Vorstellungen kleiner Mädchen aus vergleichbaren Kinofilm-Konstellationen. Mit dem morbiden Charme eines alten Rummelplatzes und creepy-cute Optik, wirkt das fließend zwischen Realität und Traumwelt oszillierende Szenario visuelle durchaus reizvoll. Doch die ausgefeilte Ästhetik ist mehr kommerzielles Kunsthandwerk als Kinderphantasie.
- OT: Dust Bunny
- Director: Bryan Fuller
- Year: 2025