Während man Jon Favreaus unvermeidlichen Kino-Ableger zu seiner enorm erfolgreichen Star Wars Spin-off Serie The Mandalorian anschaut, hört man praktisch schon die Lobeshymnen des Zielpublikums. Wie toll es sei, Pedro Pascals Titelcharakter endlich auf der Leinwand zu sehen. Wie niedlich Grogu doch sei. Wie rührend beider Vater-Kind-Beziehung. Wie tiefgründig das sei, dieses Motiv in der Figur von Jabba the Hutts Sohn Rotta aufzugreifen. Wie cool es sei, Sigourney Weaver als Colonel der New Republic zu sehen, auch wenn sie praktisch nichts zu tun hat, außer das Publikum an ihren Science-Fiction-Kultstatus zu erinnern. Und das Franchise-Vehikel ist tatsächlich so – so perfekt kalkuliert.
Jede Szene des von Favreau mit Dave Filoni und Noah Kloor gescripteten Science-Fiction-Abenteuers hat den Charme einer detailliert durchkalkulierten Geldmaschinerie. Diese Aura kommerzieller Berechnung überlagert die fadenscheinige Atmosphäre der regennassen Straßen und Neon-Reklamen des in den intergalaktischen Außenbezirken gelegenen Planeten, auf den es den Mandalorian aka Mando (Pascal) und Grogu verschlägt. Die auffälligen Referenzen an Ridley Scott erstrecken sich von der Blade Runner Kulisse bis zu den Gladiator-liken Arena-Spektakeln, in denen Jabba the Hutts Sohn Rotta sich zum Champion hochgekämpft hat. Im Austausch gegen Informationen über einen flüchtigen Comander des gefallenen Imperiums soll Mando den gefangenen Rotta zu seiner Familie bringen.
Doch Familienbeziehungen sind „messy“, mit einem überstrapazierten Begriff der Sci-Fi-Soap, in der es um wenig anderes geht. Alles ist auf Drolligkeit oder verspielte Monstrosität ausgelegt, von einem Quartett winziger Äffchen-Mechaniker bis zur Drachen-Schlange, an die Mando verfüttert werden soll. Das gilt selbst für die prominenten Cameos, die der generischen Gewinn-Maximierung künstlerisches Prestige verleihen sollen. Mit gerade genug Profil für Fan Fiction, wirken die Charaktere wie wandelnde Merchandising-Vorlagen. Der vorhersehbare Plot generiert weder Spannung noch Tempo mit wechselweise rührseligen und süßlichen Szenarien. Die überschaubaren Action-Szenen bleiben buchstäblich blutleer und ohne Konsequenzen für die Helden, die ja unbeschadet in ihren Serien-Kosmos zurückkehren müssen.
Wenn Jon Favreaus Star Wars Spin-off eigentlich zu Ende sein könnte, beginnt das zweite Kapitel der überlangen Handlung. Deren Struktur spiegelt den Rhythmus der Serie, von der scheinbar zwei Episoden zusammengefügt wurden. Um die schematische Story dem cineastischen Rahmen anzupassen, fehlte es dem Drehbuchautoren-Trio scheinbar an Motivation. Deren Mangel zeigt auch das schematische Schauspiel. Pascal ist nahezu durchgehend unter seinem Helm und die Mehrheit des Ensembles ist CGI: Dynamik entsteht weder in den harmlosen Kämpfen, noch den Dialogen. Der Fokus liegt auf konservativer Komik und routiniertem Retro-Flair. Zweites verdrängt beflissen, dass Star Wars einst mehr war als kindergartentauglicher Kommerz und nostalgische Niedlichkeit.
- OT: The Mandalorian and Grogu
- Director: Jon Favreau
- Year: 2026