Wer sich ärgert, dass die Vermieter immer nicht den Wandriss im Hausflur gekittet haben, rennt besser sofort um sein Leben, um nicht als Menschenopfer einer Satanssekte zu enden. Denn für Löcher in den Wänden alter Häuser gibt es nur eine Erklärung: Die Nachbarn sind allesamt Mitglieder einer okkulten Verschwörung, die nichtsahnend Neumieter ihrem höllischen Herrscher opfert! So zumindest sieht es anscheinend Kirill Sokolov. Der russische Regisseur beschrieb die wahre Begebenheit, auf der They will Kill You angeblich basiert, als Loch in der Wand eines überwiegenden von alten Leuten bewohnten Hauses, in das er gerade gezogen war. Klingt nach einer lebhaften Phantasie.
Leider manifestiert sich davon nichts in dem schalen Satanismus-Slasher, dessen dreiste Derivativität schon die Prämisse signalisiert. Nachdem Asia Reaves (Zazie Beetz) vor Jahren ihre jüngere Schwester Maria (Myha’la) bei beider gewalttätigem Vater zurückließ, kehrt sie zurück, um sie zu aus den Klauen eines elitären Teufelskultes zu retten. Die superreichen Satanisten, darunter Tom Felton und Heather Graham, residieren in einem düsteren Bauwerk genannt „The Virgil“. In diesem dem Namen entsprechend mit dantesken Fratzen dekorierten Bauwerk unter Aufsicht der mörderischen Managerin Lilith (eine wunderbar maliziöse Patricia Arquette) soll Maria dem Teufel geopfert werden, um weiterhin die Unsterblichkeit der teuflischen Elite zu sichern.
Das klingt nicht zufällig noch einem Abklatsch von Ready or Not und Kill Bill, die nichtmal unterhaltsam verramscht werden. Anschauliches Beispiel für die diffuse Beliebigkeit der abgekupferten Elemente sind Asias nackte Füße. Was bei Tarantino Fetisch-Faktor hat, bleibt bei Sokolov ein sinnloses Detail. Ohne jede narrative Logik ist auch der Teufelspakt, der in Ready or Not immerhin rigoros befolgt werden muss. Asia hingegen kann Satan beschummeln wie beim Grundschuldiktat. Das machten den Fürsten der Finsternis so lahm wie die synthetischen Splatter-Szenen, die ohne fatale Konsequenzen zu Cartoon-Gewalt sinken. Ähnlich künstlich wirken die Kampf-Choreographien, deren artifizielle Ästhetik mehr Pathos als Punch hat.
Selbst Zazie Beetz und Patricia Arquette können mit vereinten darstellerischen Kräften Kirill Sokolovs generische Gewalt-Orgie nicht unterhaltsamer machen. Nachdem bereits sein letztes Werk Why Don’t You Just Die! Unvorteilhafte Vergleiche zu Tarantino provozierte, wiederholt sein Okkult-Actioner die gleiche Taktik noch enttäuschender. Das schematische Szenario, das weder als Horror-Action funktioniert, noch als Komödie, ist ein plumpes Patchwork besserer Filme, die ironischerweise durch eigene Sequels und Director’s Cut in direkter Konkurrenz zu dem konfusen Copy-Cat-Kino stehen. Gruseliger als das protzige Potpourri abgenutzter Genre-Versatzstücke und abgeguckter Trends ist dessen strategische Spekulation auf ein populistisches Polit-Klima voller kruder Verschwörungstheorien um Satanismus und menschenopfernde Eliten.
- OT: They Will Kill You
- Director: Kirill Sokolov
- Year: 2026