Grund auf unsympathische Charaktere, mit denen das Publikum sich langsam anfreunden soll, sind Franck Duboscs filmische Spezialität. Jene variiert der französische Regisseur und Co-Drehbuchautor auch in seinem jüngsten Werk. Seine krimikomödiantische Kombination von winterlicher Provinz-Kulisse und blutigen Verbrechen bedient sich unverkennbar beim Coen-Kulthit Fargo. An dessen raffinierten Plot, schräge Figuren und rabenschwarzen Humor reicht die Story um einen Geldkoffer, der durch einen fatalen Zu- und Unfall in die Hände des tollpatschigen Tannenbaum-Verkäufers Michel (Regisseur Dubosc) und seiner gierigen Gattin Cathy (Laure Calamy). Die beiden beschließen, die Beute aus einem gescheiterten Drogen-Deal zu behalten.
Das ruft vorhersehbar die eiskalten Eigentümer in den gleichermaßen verschneiten, verschnupften und verschlafenen Ort, den dazu ein grimmiger Braunbär durchstreift. Dieses scherzhafte Szenario der Rückkehr des im Jura-Gebirge seit über hundert Jahren ausgerotteten Raubtiers liefert den französischsprachigen Originaltitel. Jener deutet ironisch auf die Unwahrscheinlichkeit der eskalierenden Ereignisse. Nebenhandlungen um die unfähigen ermittelnden Polizeibeamt*innen lassen den im Grunde derivativen Plot komplizierter aussehen, als er ist. Diese unnötigen Wendungen, die weder die Psychologie vertiefen, noch die Spannung erhöhen, ziehen die Handlung spürbar in die Länge. Geschmacklich fragwürdige Gags bedienen dabei den zynischen Zeitgeist.
Drogen schmuggelnde Migranten, sexuell oder romantisch ausgehungerte Polizistinnen, Neurodiversität wahlweise als Witz oder Bedrohungselement, queercoded Auftragskiller: Unter dem Deckmantel schwarzhumoriger Satire zelebriert Franck Dubosc konservative Klischees, die bereits in seinen vorangehenden Werken deutlich wurden. Pseudo-Provokation dient in der zwischen Burleske und Blutrünstigkeit schwankenden Inszenierung der Lancierung bigotter Tropes. Dazu zählt die spürbare Sympathie mit einer brutalen Bourgeoisie, deren Gier als Bedürftigkeit gilt. Schauspielerisches Potenzial ist durchaus sichtbar, doch gerade die interessanteren Figuren haben wenig zu tun. Die komödiantische Kombination spießiger Familienwerten und Weihnachtskitsch, Gewalt und xenophober Untertöne trifft bedrückend den Nerv der Zeit.
- OT: Un ours dans le Jura
- Director: Franck Dubosc
- Year: 2025