Nein, Alex Parkinsons Unterwasser-Thriller ist nicht der, auf den alle warten: die Adaption des Titan-Desasters, bei dem sich superreiche Geschäftsmänner und selbsternannte Abenteurer zu Top-Anwärtern für die Darwin Awards machten. Der erste Spielfilm des veritablen Dokumentarfilmers dreht sich um ein Ereignis, das kaum jemand kennt – jedenfalls niemand, der oder die nicht die gleichnamige Doku des britischen Regisseurs gesehen hat. Nicht zuletzt deshalb ist die unglaublich-aber-wahre Story des unerfahrenen Berufstauchers Chris (Finn Cole), der bei einem Routineeinsatz auf dem Grund der Nordsee von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten gefangen wird und nur eine Notreserve für zehn Minuten übrig hat, perfekt zur Überbrückung der Wartezeit.
Letzte ist für den jungen Protagonisten, der aufgrund einer technischen Fehlfunktion auf dem Meeresboden bei eisigen Temperaturen festhängt, ein stiller Kampf ums Überleben. Unterdessen beginnt für seine Taucher-Kollegen, der kühle Profi Dave (Simu Liu) und der warmherzige Unterwasser-Veteran Duncan (Woody Harrelson), ein Wettlauf gegen die Zeit, um ihn wieder an Board der Tauchglocke zu holen. Zwar stet der Ausgang fest, doch der eng den realen Ereignissen folgende Plot, gestochen scharfe Unterwasser-Aufnahmen und der fähige Cast schaffen hochkarätiges Abenteuerkino. Das überzeugt vor allem mit spektakulären Schauwerten und Preisen Effekte, bewahrt aber dank des überzeugenden Schauspiels und solider Figurenentwicklung auch eine menschliche Komponente.
Untermalt von Paul Leonard-Morgans sonorem Soundtrack entwickeln Nick Remy Matthews‘ und Ian Seabrooks geschliffene Kamerabilder eine beachtliche Suspense. Obzwar diese hypothetischer Natur ist und das Szenario zu abstrakt bleibt, um wegen des ohnehin bekannten Schicksals des Hauptcharakters zu bangen, hat das technische Unterfangen seinen eigenen Reiz. Das zum Verständnis des Geschehens erforderliche Fachwissen kondensiert der Plot auf die essenziellen Fakten, die mitunter mehr fesseln als der Plot. Der krankt an einer unnötigen Romanze, die der einzig relevanten Frauenfigur eine paternalistische Klischeerolle zuschiebt, und der Tendenz zu mechanischem Formalismus. Die dokumentarische Vorlage bleibt die bessere Filmversion – aber hat eben nicht Woody Harrelson.
- OT: Last Breath
- Director: Alex Parkinson
- Screenplay: Mitchell LaFortune
- Year: 2025
- Distribution | Production © SquareOne Entertainment