Mit der Psychiatrie begann Florian David Fitz Drehbuchautoren-Laufbahn und schauspielerischer Durchbruch vor 15 Jahren mit Vincent will Meer. Jetzt schreibt er sich erneut eine Hauptrolle dorthin, in Florian Dietrichs Tragikomödie, der fast genauso unangenehm ist wie die damalige. No Hit Wonder ist im Grunde genau das, was der Titel besagt: ein Werk, das ganz groß sein will, aber nur kläglich ausklimpert. Ähnlich der Karriere des Hauptcharakters, der vor Jahrzehnten mit einer Erfolgssingle ganze Stadien füllte. Was dieser gealterte deutsche Pop-Star namens Daniel Nowak (Fitz) gesungen hat, wenn sein Mega Hit “Time Time Time” vorbei war, bleibt eines der Rätsel der derivativen Story.
Die ist dreist abgekupferter von A Star is Born und gemischt deutschem Comedy-Blech wie Die Goldfische, in dem ein glatter Geschäftsmann sich mit Krankenhauspatient*innen arrangieren muss. Nach einem gescheiterten Suizid-Versuch landet der abgehalfterte Sänger auf der geschlossenen. Da darf man zwar ohne richterlichen Beschluss nach 72 Stunden wieder raus, aber solche Fakten ignoriert der abstruse Plot ebenso wie die gesetzlichen und akademischen Vorschriften zu Patientenstudien. Zu einer solchen nötigt ihn Glücksforscherin Lissi Waldstett (Nora Tschirner), der Ethik und Empathie nach ihrem Handeln zu urteilen fremd sind. Eine Gruppe an Depression leidender Patient*innen sowie ein Demenzkranker soll durch Gesang aufgeheitert werden.
Musiktherapie ist zwar absolut nichts Neues, aber Realitätsnähe spielt hier keine Rolle. Das wäre verzeihlich, hätte die Geschichte selbst etwas Charme, Humor oder Tiefgang. Doch stattdessen gibt es eine Neuauflage der hämischen Stereotypen, die Fitz damaligen filmischen Psychiatriebesuch dominierten. Jeder Charakter ist ein wandelndes Klischee, vom Geschäftsmann, der seine Depression als Burnout ausgibt, bis zu Teenager Elaha (Jerusha Wahlen), die bloß in der Psychiatrie rumhängt, weil sie Aufmerksamkeit will. Zufällig hat Elaha auch ein Gesangtalent, das den Patientenchor ins Fernsehen und Daniel zurück ins Rampenlicht bringt. Kurzfristig jedenfalls. Denn nach der heuchlerischen Message braucht es nur einen Klick, um Depression abzustellen.
Die Moral Florian Dietrichs schablonenhafter Soap Opera wirkt umso weltfremder und verlogener von einem Drehbuchautor, der sich selbst regelmäßig ins Zentrum filmischer Inszenierungen setzt. Was besagte Drehbucharbeiten problematisch macht, ist deren Faible für sensible Themen. Jene dienen dem unglaubwürdigen Plot lediglich zur Behauptung dramatischen Tiefgangs. Seelische Leiden dienen für flache Witze und werden zu Narzissmus und Neurosen reduziert, pflegebedürftige Menschen werden als Ekelobjekte abgetan, Tierquälerei wird zur abgeschmackten Pointe. Die zwischen Rührseligkeit und ungelenker Plakativität changierende Inszenierung passt zum eindimensionalen Spiel des Hauptfiguren-Paares. Beider vorhersehbare Romanze lässt kaum Raum für die überlegenen Nebendarstellenden, deren Figuren ebenso austauschbar sind wie die Optik.
- OT: No Hit Wonder
- Director: Florian Dietrich
- Year: 2025